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Die Schweiz an der EM 08 - die fünf Phasen PDF Drucken E-Mail
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Die EM 08 steht vor der Tür, die grosse Alkoholparty mit Ball wird auch unserem Land viel bringen. Viele Hotelübernachtungen? Oder sogar den EM Titel? Lies weiter für eine Vorschau aus meiner Sicht.

Im Vorfeld zu diesem grandiosen Spass - sowohl für die Fans, als auch für die Zyniker wie ich, die den Ablauf des grotesken Spiels eher zurückgelehnt und amüsiert betrachten - gibt es so manche Prognose, wobei die Wichtigste natürlich ist: Wird die Schweiz Europameister?

Die Schweiz ist ja zum Glück Gastgeberland und deshalb ohne Qualifikation dabei. Wobei man uns die Qualifikation sowieso schenken sollte, weil wir in Europa ja ein Sonderfall sind. Wie auch immer, ich sehe voraus, dass die EM 08 in den folgenden fünf Phasen ablaufen wird.

1. Die Phase der Begeisterung

Das Datum steht fest, man ist dabei, seit Sonntag weiss man sogar gegen wen man zu Beginn tschutten darf. Die Motivation ist übersprühend, der Trainer Röbi Ruhm steht vor seinen wackeren Mannen und strahlt am Fernsehen: "Die Aufgabe ist nicht einfach, aber lösbar. Wir wollen Europameister werden! Natürlich müssen wir bis dahin noch einige Hausaufgaben machen." Seine Truppe, bestehend unter anderem aus Muhammad M'godubu, Gürül Knatschtürk, Pavel Havacek, Ali Gomudagudu, Alex Spucker, Alain Lefebre, Drago Ivicic, Stanislav Mrubicis, Sam Mudabi und die übrigen, gestandenen Eidgenossen, grinsen selbstbewusst in die Kamera und stammeln: "Naaddürlig wir werden Weltmeister... wir treenieren fest und lieben Röbi Ruhm... und wir werden bis zu Siege keine 15-jährige Swizzeris poppen!

Der Blick ist begeistert, die Aussicht, dass die Schweiz Europameister werden wird, beflügelt die Sinne des hinterletzten Schreiberlings an der Dufourstrasse. Wir sind die Grössten, wir haben es immer schon gewusst. Die halbe Welt wird in die Schweiz kommen, Tausend Stutz für ein Hotelbett zahlen, auf dem Schwarzmarkt eines der letzten Tickets erwerben, weil man ja vorher keine kriegte. Ein Vorgeschmack ist ja schon, dass die Big Mac's leicht verteuert für die EM werben und man sich beim Anblick der Swisscom Rechnung auch daran erinnern lässt, dass ein Teil meiner ADSL Gebühren für diese einmalige Veranstaltung verschleudert wird. Nu gut, dafür durften wir das Mausoleum für Sepp Blatter in Zürich errichten, das gab auch Aufträge für die heimische Wirtschaft.

Der Tag naht, die Berichte über den Schweizer Sieg häufen sich. Man kauft bereits den Prosecco bei Denner auf und erwirbt Zweifel Chips in der Gastropackung. Das erste Spiel startet, Tschechien ist der Gegner. Für die Schweizer ein problemloser Gegner. Schliesslich hat Röbi Ruhm das gesagt und Muhammad M'godubu als Captain hat das zwar nicht verstanden aber er gibt trotzdem die Devise raus: "Die Swizzer welden Weltmeister!!!"

Vor der Pause steht es 2:0 für Tschechien.

Röbi Ruhm in der Garderobe zu seinen Multikulti-Legionären: "Liebi Manne und Frouwe..." (ach nein, das ist der andere) "Leute, ich habe gesagt, dass es kein Spaziergang wird, aber strengt Euch gefälligst doch noch ein wenig mehr an und beendet dieses Spiel ehrenwürdig und mit einem Sieg.

Beim Abpfiff steht es 3:0 für Tschechien.

Die Begeisterung in den Medien und bei den Bic Mac Verkäufern hält aber an. Alles nicht so schlimm, das war ja bloss zum Üben, wir werden, das ist keine Frage, Europameister.

Vier Tage danach besiegt Portugal Tschechien 2.0, also die Mannen, die der Schweizer Mannschaft am Schluss gegenübersteht. Röbi Ruhm runzelt erst mal die Stirne, macht aber in gewohnter Weise voll auf Zweckoptimismus. "Bislang haben unsere Spieler alles gegeben und sie werden weiterhin alles geben. Das Debakel im Spiel gegen Tschechien wird sich nicht wiederholen. (Womit er voll Recht hat, weil, wir spielen ja kein zweites Mal gegen die.)

Der Blick titelt am nächsten Tag: Sieg für die Schweiz! Dem Röbi Ruhm gehört ein Denkmal! Welcher Sieg? Ach so, das ist die Hoffnung auf einen Sieg gegen die Türkei, wenn man genau liest.

Tatsächlich gelingt das unfassbare, die Schweiz gewinnt gegen die Türkei 2:1, weil irgend so ein Üzgür Misilüc in der 84. Minute glücklicherweise ein Eigentor geschossen hat.

2. Die Phase der Ernüchterung

Bisher lief es eigentlich nicht gerade grossartig. Der Swisscom und der McDonalds Company ist das eigentlich egal, die Millionen sind im Budget 08 und sowieso schon voll abgeschrieben.

Dem Röbi Ruhm ist es weniger egal. Wenn er jetzt noch ein Statement abgibt, dass die Schweizer Chancen auf einen Europameister Titel hätten, so würde Ueli Maurer in der Sonntagszeitung schreiben, dass da ein Irrer herumlaufen würde, den man doch besser ausbürgern solle. Also lässt er das und sagt anstelle: "Also, die Chancen sind durchaus intakt, wir haben ja jetzt noch das Spiel gegen Portugal vor uns." Na denn Prost. Waren die nicht kürzlich Europameister?

Spielt doch keine Rolle, die Schweiz ist doch ein Sonderfall und demnach ist das für uns sowenig ein Problem, wie das Steuerabkommen mit Deutschland.

Das Wunder geschieht und die Schweiz kann in einem Spiel gegen Portugal ein 1:1 erzielen, wahrscheinlich weil die Hälfte der Portugiesen an diesem Tag an einer Magen-/Darmgrippe gelitten und dementsprechend und aus verständlichen Gründen nicht wirklich Lust auf länger anhaltende Sprints über das Spielfeld hatte. Damit kommt die Schweiz tatsächlich in die nächste Runde.

3. Die Phase der Verwirrung

Röbi Ruhm lächelt zwar noch immer in das Objektiv der TV-Kamera, mittlerweilen etwas süss-sauer zwar, aber natürlich voller Optimismus. Das ist sein Beruf und dafür wird er bezahlt. "Immerhin, wir haben den Achtelfinal erreicht... das war eine hervorragende Leistung der Schweizer Mannschaft." Respektive eher eine glückliche Fügung dank des Eigentors.

Aber der Blick weiss nicht mehr so recht, ob der den Sieg gegen Deutschland wirklich schon vorweg beschreiben soll. Oder den gegen Italien auch gleich damit. Die sind ja auch so ein Leichtgewicht im Fussball, die dürften locker zu schaffen sein.

Samuel Schmid meint gelassen: "Auso wir werden alle Schangsen wahrnehmen, auch die, dass die Schweizer Spieler im Viertelfinal in Innsbruck Glacé verkaufen werden."

Was befürchtet werden musste, geschah: Die Schweiz schafft es nicht in den Viertelfinal. Damit treten wir in die 4. Phase ein.

4. Die Suche der Schuldigen

Blick weiss natürlich, dass Röbi Ruhm eigentlich nicht viel dafür kann. Die Gegner waren unfair stark, die Vögel haben zu laut gesungen, ein Tram quietschte genau dann durch die Schienen als Pavel Havacek einen Corner hätte ausführen sollen. Das Bier war zu warm und die Zuschauer dementsprechend sowieso verstimmt, der Ball hatte eine ungünstige Farbe.

Röbi Ruhm starrte etwas zerknirscht in die Linse. "Tja, wir haben das niemals erwartet, weil wir wollten doch so gerne Europameister werden." Muhammad M'godubu konnte das nicht kommentieren, er ist bereits zu einem Erholungsurlaub nach Kamerun geflogen. Der Blick fahndet weiter nach Schuldigen. Etwa doch der Röbi Ruhm? Sollten wir die Übung mit dem Denkmal doch wieder abblasen? Haben wir ja schon mal gemacht... geht nicht. Der Sportchef an der Dufourstrasse: "Welcher Idiot ist auf die Idee gekommen, schon wieder ein Denkmal für Röbi Ruhm zu fordern. Damit sind wir doch schon mal breitlings auf den Arsch gefallen!" Verdutzte Blicke quer durch die Redaktionskonferenz.  Guschti Harmlos war das, aber der ist zur Zeit glücklicherweise mit einer Bänderzerrung nach dem letzten Grümpelturnier im Spital. Er musste sich in Sachen Fussball schliesslich à-jour halten.

Während des ganzen restlichen Verlaufs beschränkt sich die Blick Redaktion auf die weitere Suche der Schuldigen. Ist Magglingen für die Nachwuchssportler noch haltbar? Ist es ein Problem, dass die Afrikaner und Balkanesen nicht Chuchichäschtli sagen können? Hätte man Rodschr Fehder'r zum Captain machen müssen? Oder hätte man die Schweizer Spieler durch Cheer Leaders mit Martina Hingisova an der Spitze aufheitern sollen?

Alle die, die nicht an solche Selbstverständlichkeiten gedacht haben, das sind die wahren Schuldigen am Debakel. Jawohl.

5. Die Belobigung der Nicht-Beteiligten

Die Schuldigen so richtig beim Namen zu nennen wollte eigentlich schon gar niemand mehr. Es waren ohnehin zu viele. Dafür konnte man jetzt sich denen zuwenden, die am Fiasko nicht beteiligt waren.

Viktor Giaccobo erhielt eine eigene TV-Stunde, wo er erklären durfte, warum er Fussball sowieso langweilig findet. Nicht mal Harry Hasler hätte für sowas die Glotze angemacht.

Christoph Blocher erhielt eine ganze Seite im Blick, worin er erläuterte, dass der Samuel Schmid als oberster Fussballchef nichts tauge. Er sei eben nur ein halber Sportchef, im Gegensatz zu ihm selber, der ein wirklich ganzer Justizminister mit erstklassigem Leistungsausweis sei.

Die Bischofskonferenz wurde in Corpore gelobt, dass sie sich vor, während und nach dem Anlass mit Exkommunizierungen zurückgehalten hat. (Beim Mix der Konfessionen innerhalb der Schweizer Fussballer wahrscheinlich ohnehin sinnlos).

Alexander Tschäppät wurde mit einer Ehrenmedaille der FIFA ausgezeichnet, weil wenigstens das Glasdach über dem Bahnhofplatz rechtzeitig fertig wurde.

Christoph Franz von der Swisshansa wurde dafür ausgezeichnet, dass er sein Augenmerk auf die Fliegerei und nicht auf das Sportsponsoring richte.

 

 

Oder werden wir am Ende doch sogar Europameister? Hui, was für ein Gedanke.

 

 

 

 

 

 
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